Die Vorgänge beim Abblättern der Vergoldung
Als im achtzehnten Jahrhundert der italienische Arzt Luigi Galvani einige frische Froschschenkel auf einen Draht spießte, staunte er nicht schlecht. Als er nämlich den Draht an ein Eisengitter hängte, zeigten die Froschbeine plötzlich Leben und strampelten.
Was war passiert? Damals ahnte Herr Galvani noch nicht, dass er eine bahnbrechende Entdeckung gemacht hatte und sein Name in die Geschichte eingehen sollte. Luigi Galvani hatte den elektrischen Strom entdeckt. Strom, das ist ein Elektronenfluss, meist in Metallen. Aufgrund Galvanis Beobachtung fand man schnell heraus, dass die einzelnen Metalle sich voneinander durch unterschiedliche elektrische Potentiale unterscheiden. Es gibt Metalle mit positivem Spannungspotential und solche mit negativem. Vom negativsten Metall zum positivsten, besteht also der größte Spannungsunterschied.
Das Ganze hat man zusammengefasst in der sogen. galvanischen, oder auch elektrochemischen Spannungsreihe der Metalle. Wir wollen hier aber nicht weiter ins Detail einsteigen, wollen uns nur so viel merken, als dass es positive und negative Metalle gibt. Wenn man nun 2 Metalle, nehmen wir an ein positives und ein negatives zusammenlegt, oder schraubt oder schweißt, und taucht sie dann in eine elektrisch leitende Flüssigkeit, dann haben wir bereits ein galvanisches Element, eine kleine Batterie. Hierbei geht das jeweils Negativere der beiden Metalle in Lösung und es entstehen Metallsalze, von denen viele auch Allergien auslösen können!
Bei allen Goldimitationen ist das Basismetall nicht identisch mit der Oberfläche der Gegenstände. Nehmen wir beispielsweise ein unechtes Schmuckstück: Der eigentliche Metallkörper besteht aus Messing. Da aber Messing als Schmuckmetall recht ungeeignet ist, es verliert auch blank poliert seinen Glanz doch recht schnell und verfärbt sich dunkel, vernickelt man es häufig. Dadurch bekommt es eine glänzende, harte Oberfläche. Da jedoch das Nickel von gelblich-weißer Farbe ist, muss man es vergolden, damit der angestrebte optische Effekt erreicht wird, denn es soll ja ein "goldenes Teil" werden, wenn auch kein echtes. Nach dem Vergolden liegt es vor uns: Strahlend, kaum zu unterscheiden von einem echten Schmuckstück, allemal gut genug um alle Tage getragen zu werden. Oder? Ja, wenn da die Sache mit den Allergien nicht wäre... Wenn nämlich nur eine kleine Ecke einen Kratzer hat, oder die dünne Vergoldung durchgescheuert ist (was schnell passiert, wenn man ein solches Teil trägt), liegen die Metallschichten offen zu Tage: Die Oberfläche besteht aus elektrisch positivem Gold, darunter die negative Nickelschicht. So, und jetzt noch etwas Hauschweiß dazu, und schon ist die galvanische Zelle fertig.
Allergien durch Lochfraß?
Ist eine solche galvanische Zelle erst einmal entstanden, ist sie sehr produktiv. Sie arbeitet 24 Stunden am Tag. Das unter dem Gold liegende Nickel oder Messing, ja sogar Edelstahl geht in Lösung, Wenn die Zwischenschicht verbraucht ist, löst sich das Basismetall auf, da auch dies wesentlich negativer als die zuoberst liegende Goldschicht ist. So werden im Laufe der Zeit richtige Löcher ausgewaschen. Man spricht vom "Lochfraß". Abgesehen einmal von den rasiermesserscharfen Kanten dieser Löcher, entstehen - wie schon oben erwähnt- erhebliche Mengen giftiger Metallsalze. Nickel-, Zink- und Kupfersalze, die richtigen Mittel, um schnell und sicher zu einer Allergie zu gelangen! Wenn solche Chemikalien auf die von den scharfen Kanten verletzte oder gereizte Haut gelangen, ist eine überempfindliche Reaktion vorprogrammiert!
Allergien auch durch Uhren?
Kurz und bündig: Ja!
Und zwar immer dann, wenn die oben geschilderten Umstände zutreffen. Also etwa bei Gehäusen welche aus Grundmetallen bestehen denen man ein edles, goldenes Outfit gegeben hat, oft auch noch unter Zuhilfenahme einer darunter liegenden Nickelschicht! Dies trifft leider bei vielen vergoldeten Gehäusen zu. Aber auch ohne darunter liegender Nickelschicht ist Gefahr angesagt. Zudem bestehen vor allem billige Gehäuse, oft aus Metallen, welche ein hohes Gefahrenpotential für Allergien, von Haus aus in sich bergen. (Ulrich Wehpke).
|