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Kieninger - Turbulente Zeiten

1975 war die Firma auf über 200 Mitarbeiter angewachsen. Stolz berichtet Gottfried Kieninger auf der Betriebsversammlung über ein überaus erfolgreiches Geschäftsjahr 1974. Doch 1975 zeichnete sich eine Trendwende in der allgemeinen Wirtschaftslage ab. Zum ersten Mal seit Beginn des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren stieg die Zahl der Arbeitslosen über die magische Marke von 1 Million. Die Bundesrepublik erlebte die schwerste Wirtschaftskrise ihrer bisherigen Geschichte. Die Ära der Vollbeschäftigung ging zu Ende. Wegen der weltweiten Wirtschaftsflaute musste Kieninger die Produktion von Messgeräten reduzieren. Man versuchte die freigewordenen Arbeitskapazitäten im Uhrensektor einzusetzen und ahnte damals noch nicht, welches Schicksal die Uhrenindustrie heimsuchen würde.

Nach wie vor konzentrierte sich Kieninger auf die Weiterentwicklung der mechanischen Uhrwerke. Man tüftelte an der Verbesserung der Ganggenauigkeit und einer Erhöhung der Gangreserve. Doch eine möglichst präzise Zeitmessung erforderte aufwendige Feintechnik mit hochwertigen Materialien und war entsprechend teuer. Als in den 1970er Jahren die neuen Quarzuhren eingeführt wurden, war Zeitgenauigkeit plötzlich billig zu haben.

Schlagartig war Uhrmacherkunst für die Genauigkeit eines Zeitmessers nicht mehr relevant und mechanische Uhrwerke out. Das Gros der Schwarzwälder Uhrenbetriebe versuchte sich dem Trend anzupassen und stellte die Produktion auf Quarz um. Doch als 1975 Billigprodukte aus Fernost den Markt überschwemmten, mussten viele Uhrenunternehmen Konkurs anmelden. Heute existieren nur noch wenige Uhrenfirmen und Manufakturen, die mechanische Großuhrwerke herstellen.

Kieninger überstand das Krisenjahr 1976 relativ gut, indem die Firma nun auch elektronische Feinmessgeräte für die Firma Feinprüf in Göttingen produzierte.

Parallel dazu hielt das Unternehmen trotz aller Turbulenzen am ursprünglichen Konzept fest und fertigte weiter technisch anspruchsvolle, hochwertige mechanische Uhrwerke und Uhren. Die Neuvorstellung 1975 des HT-Kaliber Kettenzugwerks mit Westminsterschlag auf Tonröhren war ein sichtbares Ergebnis.


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